Iron Palm

Da du hier gelandet bist, gehe ich davon aus, dass bereits eine gewisse Vorstellung zu diesem nicht alltäglichen Thema vorhanden ist. Deswegen halte mich mit Erklärungen zu den verschiedenen Methoden der “Eisenhand” die bereits zuhauf im Netz kursieren zurück und stelle nur meine Sichtweise und meine Erfahrungen dar.

Natürlich gibt es nicht nur Iron Palm, man könnte fast sagen Iron <hier beliebigen Körperteil einfügen>.

Über Sinn und Unsinn lässt sich debattieren.

Persönlich interessant finde ich die Hände, Schienbeine, Oberschenkel und den Bauch/Thorax Bereich.
Brauchbare Erfahrung habe ich aber bisher nur mit der Hand und dem Schienbein. Hier schreibe ich ausschliesslich über das klassische Iron Palm Training welches grundsätzlich Handfläche, Handkante und Handrücken beinhaltet.

Seit ich klein bin haben mich Bruchtests mit Ziegelsteinen usw. sehr fasziniert und ich durfte einerseits in der Schweiz und andererseits in China verschiedene Iron Palm und Iron Skill Methoden kennenlernen und habe eine davon Anfang meiner 20er Jahre mit Enthusiasmus und mässigem Erfolg praktiziert. Mein bestes Ergebnis war damals eine Kokosnuss mit einem Schlag der Handfläche oder Handkante öffnen zu können. Ohne Schmerzen und ohne mich zu verletzen. Der Handrücken war noch lange nicht soweit und braucht aus anatomischen Gründen deutlich mehr Zeit bis die Anpassung genügend fortgeschritten ist für solche Tests ohne dass man sich dabei etwas kaputt macht. Mittlerweile hat sich mein Gewebe wieder zurückentwickelt, da es doch einige Jahre her ist. Ich werde in naher Zukunft aber wieder mit dieser Art des Trainings beginnen und es in meinen Alltag einbauen.

Wie funktioniert Iron Palm?

Der Körper reagiert auf Belastung im Besten Fall mit Anpassung um dieser in Zukunft besser standhalten zu können. Wir können das nicht nur im Aufbau von Knochen (wolffs law) beobachten, sondern auch bei der Arbeit, dem Krafttraining, bei neuen klimatischen Verhältnissen usw. Der Körper passt sich sehr erfolgreich an neue Gegebenheiten an, wenn er die Kapazitäten dazu hat. Genau dieses Ziel hat man auch mit Iron Palm . Durch sehr leichte Vibrationen bzw. kleinste Verletzungen, eine hohe Regelmässigkeit der Belastung und durch viel Zeit werden nicht nur die Knochenstrukturen, sondern auch die Haut und umliegendes Gewebe dieser Belastung angepasst. Unterstützt wird der Regenerations-Prozess dieser kleinen Verletzungen mit Dit Da Jow, einer Kräutertinktur die ich für Interessierte in einem kommenden Beitrag genauer beleuchten werde. Es ist äussert wichtig, dass diese mini-Traumata so schnell wie möglich heilen da diese sonst von Session zu Session grösser werden. Bei der sanften Iron Palm Praxis spürt man zu keiner Zeit Schmerzen und das Gewebe, die Haut, sollte nicht über eine leichte Rötung hinaus gereizt werden. Mit dieser Methode werden auch die Nervenzellen geschont.
Bei den so genannt harten Iron Palm Methoden sind Langzeitschäden vorprogrammiert und ich habe schon ein paar dieser Hände zu sehen bekommen.

Wie ich Iron Palm praktiziert habe

Auch in meiner Iron Palm Praxis musste ich auf einige Dinge achten um keine langfristigen Verletzungen zu riskieren. Oft redet man vom “Abhärten”, hart ist das Training aber nicht. Es ist grundsätzlich langweilig und Erfolge kommen sehr spärlich und langsam. Das Training liegt nicht im Schlagen auf Ziegelsteine sondern im Fallenlassen der Hand auf eine zunächst relativ weiche Oberfläche, die ein wenig nachgibt. Dieses Fallen lassen der Hand stellt für viele bereits eine Herausforderung dar, denn ohne entspannte Schultern ist das nahezu unmöglich und doch ist es sehr wichtig. Denn die Vibrationen in der Handfläche bekommt auch die Schulter zu spüren. Wenn ich das ein paar Mal mache ist das nicht schlimm, mache ich das jedoch über Monate und Jahre wird es zu Problemen führen.

Mein Iron Palm Training sah so aus:

  • Ca. 9 Monate ununterbrochenes Training mit einem Kissen das mit Kirschsteinen gefüllt ist
  • 2-3x pro Tag
    10-25 Mal fallenlassen der Hand in 3 Positionen (Handfläche, Handkante, Handrücken)
    (1. Tag 10 Mal, alle drei Tage gesteigert bis 25 Mal)
  • Vor und nach der Praxis habe ich meine Hände gründlich mit Dit Da Jow eingerieben und massiert
  • Der Stand war selten der Pferdestand, manchmal stehend, oft kniend(seiza)
  • Alle paar Wochen habe ich einen kleinen Bruchtest gemacht, lange mit Holz (je nach Holz kann das übrigens auch ein untrainiertes Kind mit gesundem Selbstvertrauen) und später mit einer Kokosnuss.

Bei den Bruchtests geht es weniger um die Kraft die man für den Bruch des Objekts entwickeln muss, hauptsächlich geht es um die Frage ob ich ein Objekt einer bestimmten Härte mit einem Schlag brechen kann, ohne mich zu verletzen. Heute hat das natürlich einen grossen Show-Effekt und wird dazu auch benutzt.

Warum Iron Palm?

Beim Iron Palm Training wird öfter über Sinn und Zweck des ganzen diskutiert, es sind Fähigkeiten die man eigentlich nicht wirklich braucht und selbst im Kampfsport ist es möglicherweise vernünftiger diese Zeit in die jeweilige Disziplin zu investieren. Trotzdem glaube ich, dass eine solche Praxis, die den entsprechenden Umständen angepasst wird und frei von dogmatischen Vorgaben ist einen Nutzen haben kann. Es kann mit wenig Zeitaufwand etwas präventiv für die Hände getan werden (in meinem Fall als Teilzeit-Masseur sehr Wertvoll), die Arme und Schultern werden in Entspannung geübt, die Beine und Hüfte werden durch den Pferdestand gestärkt, es kann als meditative Übung und als ein Ritual für sich selbst dienen.
Für mich persönlich kommt noch der Spassfaktor dazu. Mir macht dieser langsam fortschreitende Prozess enorme Freude. Ich finde die, für die Praxis nicht zwingend nötige, intensive Auseinandersetzung mit dem chinesischen Konzept der Arzneimitteltherapie sehr spannend und bereichernd.

Schlusswort

Es gäbe noch sehr viel mehr zu diesem Thema zu schreiben und ich denke ich werde das mit der Wiederaufnahme des Trainings und über mein Tagebuch teilweise nachholen. Wie ich mein Training dann genau gestalte steht noch nicht fest, aber es wird sicher weiterhin zeitsparend sein und nicht darauf abzielen den nächsten Weltrekord im Ziegelsteine zerschlagen aufzustellen. Wie bei anderen Dingen versuche ich auch hier mit einem Einsatz so klein wie nötig ein Ergebnis so gut wie möglich zu erzielen.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass ich niemandem empfehle einer solchen Praxis ohne Anleitung langfristig nachzugehen. Meine Trainingsbeschreibung ist keinesfalls als eine Anleitung zu verstehen, da nur der Ablauf der Praxis, nicht aber die Details zur Praxis beschrieben sind.

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