Am Boden schlafen

Ungefähr Ende 2015 habe ich damit begonnen am Boden zu schlafen.

Zuvor hatte ich ein ganz normales Bett mit Lattenrost und einer eher harten Matratze.
Ich bin morgens meistens mit steifem Rücken und manchmal auch mit Schmerzen im Lumbalbereich  aufgewacht, war für meinen Geschmack zu träge und fühlte mich insgesamt nicht wirklich ausgeruht. Das aufstehen war mir zu anstrengend dafür, dass ich 6-8 Stunden Schlaf hinter mir hatte.

An verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten hatte ich schon vom Schlafen auf dem Boden gelesen und gehört und wollte das schliesslich ausprobieren. Der praktische Aspekt davon, die Platzersparnis, war ebenfalls ein Grund für mich dieses “Projekt” zu starten. Ausserdem war mein Schlafplatz in wenigen Sekunden abgebaut und ich hatte plötzlich viel mehr Raum um mich zu bewegen.
Da ich kurz zuvor eine interessante Aussage zum Thema Decke und Schutzbedürfnis von Sascha Fast gehört oder gelesen hatte, entschied ich mich ohne Decke zu schlafen.

Ich hatte mir dünne Tatami Rollmatten (ca. 2-3mm dick) besorgt um etwas zwischen dem kalten Boden und mir zu haben. Den Futon auf dem Bild haben wir im selben Zug für meine Partnerin angeschafft damit weiterhin eine gewisse Nähe möglich war.

Anpassungsphase

Die ersten zwei Wochen waren während der Nacht einigermassen hart. Ich musste meine Schlafposition sehr oft wechseln, da die Knochen und Gelenke von Becken, Hüfte, Knie sowie der Brustkorb durch den Druck nach einiger Zeit zu schmerzen angefangen haben. Mit einer unangenehmen Anpassungsphase habe ich gerechnet und war somit geistig darauf vorbereitet diese Zeit durchzustehen. Mein Schlaf war trotz deutlich häufigerem Aufwachen und Bewegen tief und erholsam. Bereits nach der ersten Nacht fühlte mich mich morgens frisch, schmerzfrei und mein unterer Rücken hatte nicht diese Spannung die ich sonst spürte. Die Druckschmerzen liessen nach einigen Tagen immer mehr nach und ich konnte etwas länger in einer Position schlafen (meist Rückenlage oder seitliche Bauchlage mit einem angezogenen Knie). Ungefähr nach drei Wochen war mein Körper soweit angepasst, dass ich mich hinlegen konnte ohne irgendwo einen Druckschmerz zu spüren und meine Schlafsituation sogar als bequem zu empfinden. Das einzige was mich noch gestört hatte war die Reibung der Tatami Matte (Binsengras / Igusa) an meinen Knien wenn ich mich bewegt habe.

An die Kälte musste ich mich ebenfalls gewöhnen, da macht sich das Fehlen einer Decke schon bemerkbar und ich habe anfangs durchaus ab und zu etwas gezittert. Auch damit kam mein Körper immer besser klar jedoch ist es trotz einer ganz guten nächtlichen Kälteanpassung vorgekommen, dass es mir deckenlos eigentlich zu kalt war.

Nach gut drei Monaten kaufte ich mir dann einen Bio-Schurwollstoff in einer Art Moosgrün um ein kleines bisschen Naturgefühl zu bekommen und legte den Stoff über die Tatami Matte um die Reibung zu verhindern. Das Schlafen war jetzt vom Untergrund her sehr angenehm und durch die Schurwolle war es auch sofort etwas weniger kalt.

Ein letztes Problem musste ich aber noch beseitigen. Da ich nicht mehr direkt auf der Tatami Matte lag, verschob sich mein “Bett” immer wieder ziemlich fest. Ich entschied mich dann die Tatami-Matte durch eine einfache rutschfeste und “schadstofffreie” Yogamatte auszutauschen und bin bis heute dabei geblieben.

Meine momentan Schlafsituation sieht nach einer längerfristigen Lösung für mich aus. Wenn es heute zu kalt wird, nehme ich ein dünnes Leintuch oder auch eine Wolldecke bei starkem Kälteempfinden.

Welche Vorteile sehe ich?

Alle meine Beobachtungen sind subjektiv und haben nicht den Anspruch allgemein gültig zu sein.
Mir hat dieses Projekt sehr viel mehr gebracht als nur einen besseren Schlaf.

  1. Tägliches morgendliches Aufstehen vom Boden
    Etwas banales und zentrales um die eigene Bewegungsfreiheit zu erhalten
  2. Mehr Bewegung in der Nacht
    Ich glaube nicht, dass es bei einem gesunden Menschen genug Vorteile gibt, die 9 Stunden Schlaf in der selben Position rechtfertigen würden
  3. Tieferer Schlaf durch kältere Temperatur
    Bodennähe, wenig bis keine Decke
  4. Positive Auswirkung auf den gesamten Bewegungsapparat und die Regeneration
    Durch mehr Druck passen sich Knochenstrukturen, Gelenke usw. an die neue Situation an, diese Anpassungen spüre ich auch im Alltag. Die Regeneration der Muskulatur hat sich bei mir merkbar verbessert. Ich führe das auf den Druck auf das Gewebe, die zusätzliche Bewegung in der Nacht durch Positionswechsel und den tieferen Schlaf zurück.
    Obwohl tieferer Schlaf und mehr Bewegung in der Nacht erstmal paradox klingt, sind die Wachphasen bei mir im Positionswechsel so kurz, dass ich sie meistens gar nicht richtig wahrnehme.
  5. Mehr Platz im Raum und ein portables Bett
  6. Es bringt ein kleines Ritual mit sich durch täglichen Bettaufbau und Abbau
    Dazu sei gesagt, ich habe mein Bett sonst nach dem Schlafen nie “gemacht” sondern alles im Chaos zurückgelassen
  7. Ein kleiner Schritt hin zu einem einfacheren Leben, was für mich mit Werten wie Achtsamkeit und Demut zu tun hat.
  8. Morgens aufwachen und sich einfach fit, beweglich und schmerzfrei zu fühlen ist etwas vom besten an der ganzen Sache und so unglaublich wichtig um einen produktiven Tag hinter sich bringen zu können.

Mein nächster Schritt

Bald möchte ich noch auf das Kissen verzichten, es ist zwar relativ klein aber ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, dass ich ohne Kissen nicht gut schlafen kann. Es geht hier also neben meiner Nackengesundheit darum eine Art Abhängigkeit loszuwerden.

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